Operationsassistenz Ausbildung in Österreich: Voraussetzungen, Gehalt & Quereinstieg

    Du willst im Herzstück eines Spitals arbeiten, dort, wo Konzentration, Teamarbeit und Präzision zählen? Die Operationsassistenz ist ein gesetzlich geregelter medizinischer Assistenzberuf nach dem MABG, der in rund einem Jahr berufsbegleitend erlernbar ist und dich direkt in den OP-Bereich österreichischer Krankenanstalten bringt. Diese Seite zeigt dir, was du mitbringen musst, was du verdienst und wie der Einstieg als Quereinsteiger:in gelingt.

    Berufsbild & Aufgaben im Alltag

    Operationsassistent:innen sorgen dafür, dass im OP alles bereit ist, bevor das chirurgische Team den ersten Schnitt setzt, und dass danach alles wieder in Ordnung kommt. Du arbeitest im sogenannten unsterilen Bereich des Operationssaals, immer auf Anordnung und unter Aufsicht von Ärzt:innen oder diplomiertem Pflegepersonal. Es ist ein Beruf für Menschen, die gerne strukturiert arbeiten, Verantwortung übernehmen und auch unter Zeitdruck ruhig bleiben.

    So könnte ein Frühdienst aussehen:

    • 06:30 Uhr: Dienstbeginn, Übergabe, OP-Programm des Tages durchgehen. Du prüfst gemeinsam mit dem Team, welche Säle wann belegt sind.
    • 07:00 Uhr: Du bereitest den ersten Saal vor: Instrumentensiebe bereitlegen, Geräte wie Sauger, Elektrochirurgie-Gerät und OP-Tisch auf Funktion prüfen, Lagerungshilfen richten.
    • 07:30 Uhr: Die erste Patientin wird von der Station abgeholt. Du begleitest sie in die Schleuse, hilfst beim Umbetten auf den OP-Tisch und bei der sicheren Lagerung.
    • 08:00 – 13:00 Uhr: Während der Eingriffe reichst du Material an, bedienst Geräte auf Anweisung, bringst Gewebeproben ins Labor und dokumentierst Zählkontrollen und Protokolle.
    • 13:00 Uhr: Nach dem letzten Eingriff deines Dienstes bereitest du den Saal für den nächsten auf, entsorgst Instrumente fachgerecht und übergibst an den Spätdienst.

    Deine Kernaufgaben laut AMS-Berufslexikon:

    • Patient:innen für den Eingriff vorbereiten (waschen, bei Bedarf rasieren) und in den OP sowie zurück auf die Station oder in den Aufwachraum bringen
    • Umbetten und Lagern der Patient:innen auf dem OP-Tisch
    • OP-Raum vorbereiten: Instrumente bereitlegen, Geräte auf Funktionstüchtigkeit prüfen
    • Apparate während der Operation auf Anweisung der Ärzt:innen bedienen
    • Proben ins Labor bringen, Material nachreichen
    • Protokolle und Dokumentationen erstellen, Hygiene- und Sterilgutstandards einhalten

    Arbeitsorte: Operationsabteilungen von öffentlichen Krankenhäusern und Universitätskliniken, Privatkliniken, Unfallkrankenhäuser sowie Tageskliniken mit ambulantem OP-Betrieb. Die Beschäftigungsaussichten werden vom AMS für alle medizinischen Assistenzberufe als sehr gut beschrieben, weil der Behandlungsbedarf steigt und Fachkräfte fehlen.

    Wenn du dich für den Spitalsbereich interessierst, aber lieber mit Verbänden und Schienen arbeitest, lohnt sich ein Blick auf die Gipsassistenz-Ausbildung, die ebenfalls unter das MABG fällt.

    Voraussetzungen für Quereinsteiger:innen in Österreich

    Die Operationsassistenz ist im Medizinische Assistenzberufe-Gesetz (MABG, BGBl. I Nr. 89/2012) geregelt; die Ausbildungsinhalte und Stundenzahlen legt die MAB-Ausbildungsverordnung (MAB-AV) fest. Der Beruf darf nur mit abgeschlossener, gesetzlich vorgeschriebener Ausbildung und kommissioneller Abschlussprüfung ausgeübt werden. Für Quereinsteiger:innen ist das eine gute Nachricht: Die Hürden sind klar definiert und bundesweit einheitlich.

    VoraussetzungWas konkret gilt
    SchulbildungErfolgreich abgeschlossene 9. Schulstufe oder Pflichtschulabschluss (MABG). Matura ist nicht erforderlich.
    MindestalterVollendetes 18. Lebensjahr vor Beginn der praktischen Ausbildung (MAB-AV).
    VertrauenswürdigkeitNachweis meist über Strafregisterbescheinigung; die Schule prüft vor Zulassung die berufliche Eignung.
    Gesundheitliche EignungÄrztliches Attest; du musst körperlich belastbar sein (langes Stehen, Heben beim Umlagern, Schichtdienst).
    DeutschkenntnisseAusreichend für die sichere Berufsausübung und Dokumentation; das verlangte Niveau legt der jeweilige Anbieter fest.
    AufnahmeverfahrenJe nach Anbieter Infoveranstaltung, Auswahlmodul oder Aufnahmegespräch (z. B. beim BFI Oberösterreich verpflichtend).
    Soft SkillsKonzentrationsfähigkeit, Fingerfertigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit, Bereitschaft zu Wochenend- und Abenddiensten.

    Wichtig für die Planung: Wer bereits einen gesetzlich geregelten Gesundheitsberuf ausübt (z. B. Pflegeassistenz oder Ordinationsassistenz), muss das MAB-Basismodul nicht noch einmal absolvieren (§ 3 MAB-AV). Für Quereinsteiger:innen aus anderen Branchen ist das Basismodul hingegen Teil der Ausbildung und vermittelt die medizinischen Grundlagen.

    Gehalt & Verdienstmöglichkeiten

    Operationsassistent:innen arbeiten fast ausschließlich in Krankenanstalten. Dein Gehalt richtet sich daher nach dem jeweiligen Landes-Besoldungsschema (z. B. Wiener Gesundheitsverbund, KAGes in der Steiermark, Tirol Kliniken) oder, bei privaten Trägern, nach dem Kollektivvertrag des Hauses. Die Spannen unterscheiden sich je nach Bundesland und Träger deutlich.

    Stufe / QuelleBrutto pro Monat (Vollzeit)
    Einstiegsgehalt laut AMS-Berufslexikon (kollektivvertragliche Mindestgehälter, Stand 2025)€ 2.060 – 3.010
    KAGes Steiermark, Schema SII/N3 Stufe 1 (Pflege-, Labor-, Röntgen- und Operationsassistenz), ab 1.7.2026€ 3.101,40
    KAGes SII/N3 Stufe 10 (ca. nach 15–20 Dienstjahren, je nach Vorrückung)€ 3.729,20
    KAGes SII/N3 Endstufe 23€ 4.134,10
    Privatklinik Graz Ragnitz, Stellenanzeige OP-Assistent:in 2026ab € 3.297,82

    Zum Vergleich: Diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger:innen in der OP-Pflege starten im Wiener Gesundheitsverbund (AKH Wien, Schema P_DGK4/4, Stufe 1) bei € 4.113,94 brutto, haben aber auch eine dreijährige Hochschulausbildung hinter sich. Die Operationsassistenz ist damit der schnellste Weg in den OP, mit der Option, später über die Pflegefachassistenz oder das Studium Gesundheits- und Krankenpflege weiter aufzusteigen.

    Zulagen: Zusätzlich zum Grundgehalt kommen in Spitälern typischerweise Erschwernis- und Gefahrenzulagen, Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsdienste sowie Rufbereitschaftsentgelte. Die konkrete Höhe regelt das jeweilige Besoldungsschema bzw. der Kollektivvertrag deines Arbeitgebers. In Österreich werden außerdem 14 Monatsgehälter ausbezahlt.

    Entwicklung: Mit mehreren MAB-Modulen (z. B. Operationsassistenz plus Gipsassistenz plus Röntgenassistenz) kannst du den Abschluss zur Medizinischen Fachassistenz (MFA) mit insgesamt 2.500 Ausbildungsstunden erreichen, was Einsatzmöglichkeiten und Gehalt erweitert.

    Ausbildungswege & Dauer

    Die MAB-AV schreibt für die Operationsassistenz einen Gesamtumfang von mindestens 1.100 Stunden vor. Davon entfallen mindestens 392 Stunden auf die theoretische Ausbildung einschließlich MAB-Basismodul und mindestens 550 Stunden auf das Praktikum im Operationssaal. Das Praktikum verteilt sich auf die Fachbereiche Traumatologie/Orthopädie, Viszeral-/Gefäßchirurgie und einen Wahlbereich. Die restlichen Stunden kann der Anbieter auf Theorie oder Praxis aufteilen.

    ModellUmfangDauerFür wen geeignet
    Berufsbegleitender Lehrgang (z. B. BFI Oberösterreich, Wels)392 UE Theorie + 708 h Praktikum = 1.100 UEca. 11 Monate (Okt. 2025 – Sept. 2026), Theorie abends Mo–Mi 18–22 Uhr + ein VormittagBerufstätige und Eltern; Praktikum tagsüber einplanen
    Vollzeit-Lehrgang an Schulen für medizinische Assistenzberufe (BMS)mind. 1.100 Stundenje nach Anbieter mehrere Monate bis ca. 1 JahrQuereinsteiger:innen mit AMS-Förderung oder Fachkräftestipendium
    Ausbildung im Dienstverhältnis (§ 26g MABG)mind. 1.100 Stundenmeist 1 JahrMitarbeiter:innen eines Spitals, das die Ausbildung finanziert
    Alternative: Operationstechnische Assistenz (OTA)3 Jahre Vollzeit, Diplom3 JahreWer mehr Eigenverantwortung (steriles Instrumentieren) anstrebt; Einstieg nach 10. Schulstufe

    Abschluss: Die Ausbildung endet mit einer kommissionellen Prüfung. Danach erhältst du eine öffentlich-rechtlich anerkannte Qualifikation und bist berechtigt, im OP-Bereich von Krankenanstalten zu arbeiten. Wer das erste OTA-Ausbildungsjahr abgeschlossen hat, kann unter bestimmten Bedingungen direkt zur Prüfung in der Operationsassistenz antreten (§ 54 MAB-AV).

    Kosten: Beim BFI Oberösterreich kostet der Lehrgang laut Kursinfo 2025/26 € 5.400 (AK-Preis € 5.200). An öffentlichen Schulen für medizinische Assistenzberufe, die den Landesgesundheitsverbünden angegliedert sind, fallen oft keine oder deutlich niedrigere Kursgebühren an; teilweise übernimmt das Land sogar die Sozialversicherungsbeiträge während der Ausbildung.

    Anbieter: Schulen für medizinische Assistenzberufe gibt es in Klagenfurt, St. Pölten, Linz, Salzburg, Graz, Innsbruck und Wien (Campus Favoriten des Wiener Gesundheitsverbunds). Einzelne Module bieten auch BFI, WIFI und private Institute an. MediClass selbst bietet die Operationsassistenz nicht an, begleitet dich aber mit dem Karriere-Quiz bei der Orientierung, ob dieser Weg oder ein verwandter Beruf besser zu dir passt.

    Förderungen in Österreich

    Die Ausbildung kann gefördert werden. Die Entscheidung liegt immer beim AMS bzw. beim jeweiligen Fördergeber, einen Rechtsanspruch gibt es nicht. Diese Instrumente solltest du kennen:

    • AMS-Fachkräftestipendium: Für Arbeitsuchende oder Personen in Karenz, die eine Vollzeitausbildung (mind. 20 Wochenstunden, 3 Monate bis 3 Jahre) in einem Mangelberuf machen. Gesundheits- und Sozialberufe gehören laut AMS zu den geförderten Bereichen. Mindestbetrag 2026: € 41,00 pro Tag (Wert der Ausgleichszulage), inklusive Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung. Voraussetzung sind u. a. 208 Wochen Beschäftigung in den letzten 15 Jahren. Ob die konkrete Ausbildung auf der AMS-Ausbildungsliste steht, klärst du vorab mit deiner AMS-Beratung.
    • AMS-Kursförderung / Beihilfe zur Deckung des Lebensunterhalts: Für arbeitslos gemeldete Personen kann das AMS Kurskosten und Lebensunterhalt übernehmen. Mehr dazu im Beitrag Kurse, die vom AMS bezahlt werden.
    • Weiterbildungszeit statt Bildungskarenz (neu ab 2026): Die klassische Bildungskarenz wurde mit 1. April 2025 abgeschafft. Seit 1. Jänner 2026 gibt es als Nachfolgemodell die Weiterbildungszeit mit einer Weiterbildungsbeihilfe des AMS. Voraussetzungen: mindestens 12 Monate beim aktuellen Arbeitgeber, mindestens 20 Wochenstunden Weiterbildung (16 Stunden bei Betreuungspflichten für Kinder unter sieben Jahren) und eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber. Die Beihilfe ist einkommensabhängig gestaffelt; ein Rechtsanspruch besteht nicht. Prüfe den aktuellen Stand direkt beim AMS, da die Richtlinie laufend angepasst wird.
    • waff (Wien): Der Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds unterstützt Wiener:innen beim Umstieg in Gesundheitsberufe, etwa über Programme wie „Jobs PLUS Ausbildung" in Kooperation mit dem AMS Wien. Welche Ausbildungen konkret förderbar sind, erfährst du in der waff-Beratung.
    • Landesförderungen: Mehrere Bundesländer fördern Ausbildungen in Gesundheitsberufen (z. B. Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge durch das Land Steiermark bei Ausbildungen im Steirischen Gesundheitsverbund). Frag direkt bei der Schule nach.
    • Arbeiterkammer: Bildungsgutscheine und AK-Preise bei BFI-Kursen reduzieren die Gebühren.

    Einen Gesamtüberblick findest du im Ratgeber Bildungsförderung in Österreich.

    Häufig gestellte Fragen (FAQ)

    Wie lange dauert die Ausbildung zur Operationsassistenz in Österreich?

    Die MAB-Ausbildungsverordnung schreibt mindestens 1.100 Stunden vor, davon mindestens 392 Stunden Theorie inklusive Basismodul und mindestens 550 Stunden Praktikum im OP. Berufsbegleitend dauert das in der Praxis rund ein Jahr, etwa beim BFI Oberösterreich von Oktober bis September. Vollzeit-Lehrgänge an Schulen für medizinische Assistenzberufe können kürzer sein.

    Brauche ich Matura oder einen Pflegeberuf für die OP-Assistenz?

    Nein. Laut MABG genügt ein Pflichtschulabschluss bzw. die erfolgreich abgeschlossene 9. Schulstufe. Zusätzlich musst du vor Beginn des Praktikums 18 Jahre alt sein, vertrauenswürdig und gesundheitlich geeignet sein. Wer bereits einen Gesundheitsberuf hat, spart sich das Basismodul.

    Was verdient eine Operationsassistentin oder ein Operationsassistent im Spital?

    Das AMS-Berufslexikon nennt Einstiegsgehälter von € 2.060 bis € 3.010 brutto pro Monat (Stand 2025). Im Gehaltsschema der steirischen KAGes liegt die Operationsassistenz ab 1. Juli 2026 in Stufe 1 bei € 3.101,40 brutto und steigt bis Stufe 23 auf € 4.134,10. Zulagen für Nacht-, Wochenend- und Bereitschaftsdienste kommen hinzu.

    Kann ich die Operationsassistenz berufsbegleitend machen?

    Ja, berufsbegleitende Lehrgänge sind der Regelfall: Die Theorie findet oft abends oder samstags statt. Das Praktikum von mindestens 550 Stunden musst du allerdings tagsüber im OP absolvieren, was einen Plan mit Arbeitgeber und Familie braucht. Tipps dazu findest du unter Ausbildung neben Job und Familie.

    Was ist der Unterschied zwischen Operationsassistenz und Operationstechnischer Assistenz (OTA)?

    Die Operationsassistenz ist ein einjähriger MAB-Lehrgang für den unsterilen Bereich: Vorbereitung, Lagerung, Gerätebedienung, Transport. Die OTA ist eine dreijährige Diplomausbildung, bei der du auch steril instrumentierst und mehr Eigenverantwortung trägst. Wer das erste OTA-Jahr absolviert hat, kann unter Bedingungen zur Prüfung in der Operationsassistenz antreten.

    Welche Förderungen gibt es durch AMS oder waff?

    Die Ausbildung kann gefördert werden, die Entscheidung liegt aber immer beim AMS bzw. beim jeweiligen Fördergeber, einen Rechtsanspruch gibt es nicht. Infrage kommen das AMS-Fachkräftestipendium (mindestens € 41,00 pro Tag, Wert 2026), die AMS-Kursförderung für arbeitslos gemeldete Personen und die Weiterbildungsbeihilfe für Beschäftigte. In Wien unterstützt der waff den Umstieg in Gesundheitsberufe, etwa über Jobs PLUS Ausbildung mit dem AMS Wien. Ob deine Ausbildung konkret förderbar ist, klärst du vorab in der AMS- bzw. waff-Beratung.

    Nächster Schritt

    Die Operationsassistenz ist einer der schnellsten gesetzlich anerkannten Wege in den Spitalsbetrieb: ein Jahr Ausbildung, klare Zulassungsregeln und ein Arbeitsmarkt, der Fachkräfte sucht. Ob der OP wirklich dein Platz ist oder ob dir ein verwandter Beruf wie die Radiologietechnologie oder die Pflegeassistenz mehr liegt, findest du in zwei Minuten heraus.

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    Quellen